
Scilla: Ein Spaziergang in Chianalea bei Einbruch der Dämmerung
Das Fischerdorf gehört wirklich zu den „schönsten Dörfern Italiens“!
Wo ist

Der Spaziergang beginnt auf dem Kirchplatz der Mutterkirche
Im Juni ist die Sonne bereits kräftig, und der Ruf von Strand und Meer ist stark. Doch gegen Abend wird das Licht weicher, die Schatten werden länger und eine leichte Brise kommt auf. Neben der imposanten Fassade der Mutterkirche von Scilla bleibt der Eingang nach Chianalea, dem alten Fischerdorf, fast unbemerkt. Doch nur wenige Schritte genügen, um in das erste „Bild“ einzutreten: ein poetischer Blick von oben auf den Hafen, mit kleinen festgemachten Booten, eingerahmt von Bougainvillea und Meer.
Die Abzweigung der Via Grotte
Wir nehmen eine schmale Treppe, die zum Meer hinunterführt, und gelangen in die „Abzweigung der Via Grotte“: ein kleines Gässchen, das parallel zur Küste verläuft, schmal und still, doch neben den blau gestrichenen Türen ist immer Platz für Töpfe mit Sukkulenten. Nur eine Reihe von Dächern trennt uns vom Meer. Überall öffnen sich kleine Lokale und Restaurants. Eines davon trägt am Eingang ein riesiges LOVE, in großen roten Buchstaben geschrieben. Ist es vielleicht die Liebe des Glaukos zur Nymphe Scilla? Aus den Fenstern klingt ein Lied von Battisti… Ja, tatsächlich: love is in the air…
Via Grotte
Inzwischen sind wir in der Via Grotte angekommen. Wer hier wohnt, kommt nicht über die Straße und mit dem Auto nach Hause, sondern vom Meer aus, mit dem Boot. Und das Boot wird direkt unter der Haustür festgemacht. Kinder spielen auf der Straße. Um diese Uhrzeit sind nur wenige Menschen unterwegs, und sie nutzen die Gelegenheit, mit dem Fahrrad die abschüssige Gasse hinunterzusausen. „Pista! Pista!“ Mehr als einmal müssen wir uns flach an die Mauern drücken, um Platz zu machen: Vespas fahren vorbei, E-Bikes fahren vorbei, und auch die kuriosen Ape-Taxis, die ohne Angst Steigungen, Kanten und Haarnadelkurven meistern.
Am Kreuzungspunkt
Wir sind an einem Knotenpunkt dieses Mikrokosmos angekommen. Hier steht ein großer Adelspalast, der Palazzo Scategna, mit Blick auf das Meer und auf den alten Anlegeplatz, „U scàru“. Zwischen den Booten öffnet sich hier der Blick aufs Meer. Und man riecht das Meer, vermischt mit den Düften aus den Küchen der vielen kleinen Restaurants auf Stelzen. Hier mündet die Via Grotte in die berühmte Via Annunziata, während eine andere kleine Straße, die Via Zagarì, wieder hinauf in Richtung Castello Ruffo führt. Sie werden wir auf dem Rückweg erkunden.
Via Annunziata
Die Via Annunziata ist eine Abfolge kleiner Geschäfte und kleiner Lokale, mit ebenso kleinen Tischen, die entlang der Straße aufgereiht sind. Bei Hausnummer 15 unterhält ein weißhaariger Händler, der aussieht, als sei er erst gestern aus Woodstock zurückgekehrt, seine Kunden mit Gesprächen über ethnische Kleidung, lokale Geschichte und Philosophie… Sein farbenfrohes Geschäft ist mit kleinen Weisheiten übersät und bleibt gewiss nicht unbemerkt! Auch hier sind die Häuschen schmal, von Salz und Zeit gezeichnet; zwischen ihnen führen Steintreppen hinunter zum Meer, zu den farbigen festgemachten Booten, zu blauen Ausblicken von großer Poesie. Das Meer glitzert, streift die Felsen und singt.
Die Brunnen von Chianalea
Gegen Ende der Via Annunziata werden die Geschäfte weniger, die Häuser auf der Meerseite wirken schlichter, echter, mit Wäsche auf den Balkonen und Pergolen voller Bougainvillea. Auf der anderen Seite erhebt sich die Mauer des Viadukts, über das einst die Eisenbahn fuhr, und unter seinen großen Bögen verbergen sich weitere kleine Wunder. Zum Beispiel befindet sich der Brunnen der Ruffo di Calabria aus dem 16. Jahrhundert genau hier, geschützt unter einem Bogen, ein wenig abseits. Und nur drei Schritte weiter steht ein weiterer Brunnen, der Canatello-Brunnen, mit einem melodischen Wasserfaden, der im Schatten hinabfließt und erfrischt.
Die kleine Kirche San Giuseppe
Und schließlich, nachdem wir ein kleines Schloss aus dem Jahr 1933 passiert haben, theatralisch und unerwartet in einem Fischerdorf, erreichen wir unser Ziel: die kleine Kirche San Giuseppe, mit einer grünen Glocke oben auf einem winzigen Glockenturm. Statt eines Dachs hat diese kleine Kirche eine Terrasse… Und bei einem solchen Panorama passt das wirklich wunderbar!
Am Ende der Via Annunziata
Wir gehen noch ein Stück weiter und erreichen das Ende der Via Annunziata. Mit Augen voller Schönheit betrachten wir ein Wandmosaik in Meeresfarben. Unbewusst erwarten wir ein friedliches Motiv, doch das Bild erzählt von einer schönen und schrecklichen Meerjungfrau, bewaffnet mit einer Harpune und umgeben von Soldatenfischen. Eine Meerjungfrau, die Männer niedermetzelt… Auf der anderen Straßenseite rahmt ein Bogen der Hochstraße eine bukolische, fast prähistorische Szene ein, mit schattigem Blattwerk, Felsen und einem hohen kleinen Wasserfall. Wir gehen noch ein wenig weiter, bis wir eine kleine Strandbucht im letzten Sonnenlicht sehen. Und wir setzen uns hin, um das Meer zu betrachten.
Betreten Sie den Atlas der unentdeckten Wunder Italiens und finden Sie Schätze, wo Sie sie am wenigsten erwarten.
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Der Atlas dankt:
Scilla, dove peschiamo sorrisi – Comune di Scilla – PNRR Ministero della Cultura M1C3, Mis. 2, Inv. 2.1 “Attrattività dei borghi storici” – Finanziato dall’Unione europea, NextGenerationEU – CUP F79I22000150006
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